Dein Körper ist dein wichtigstes Barometer

Unser Körper sendet uns in Situationen von seelischem Missbrauch eindeutige Signale. Er beginnt, dich zu schützen und du fragst dich vielleicht, warum du in Beziehung mit gewissen Menschen nicht du selbst sein kannst.
Du bekommst vielleicht diffuse Angst, beginnst zu stottern, überlegst plötzlich genau, welche Worte du wählst und sprichst nicht mehr frei. Du bekommst vielleicht Bauchschmerzen oder einen komischen Geschmack im Mund, den du sonst nicht hast. Du bist plötzlich angespannt und bewegst dich nicht mehr so frei und leicht wir gewohnt…..ich könnte die Liste ewig fortführen.
Die Anzeichen sind so unterschiedlich, wie es Menschen sind - eines haben sie jedoch gemeinsam: Der Überlebensmechanismus kapselt dein Wahres Authentisches Selbst ab, um es zu schützen. Eine absolut notwendige, jedoch auch leidvolle Erfahrung.
Seelischer Missbrauch umfasst emotionale Manipulation, Isolation, ständige Kritik, Gaslighting und das Herabsetzen deines Wesenskerns und deines Selbstwerts. Psychischer Missbrauch führt zu chronischem Stress, Angst und Trauma. Diese Erlebnisse haben tiefgreifende Auswirkungen auf das körperliche Wohlbefinden.

Hier sind einige der häufigsten körperlichen Reaktionen auf seelischen Missbrauch:

1. Stressreaktionen und der Körper im "Kampf-oder-Flucht"-Modus

Seelischer Missbrauch löst häufig eine chronische Stressreaktion im Körper aus. In akuten Stresssituationen wird das Sympathische Nervensystem aktiviert, was zu einer „Kampf- oder Flucht“-Reaktion führt. Das bedeutet, dass der Körper auf die Bedrohung mit körperlichen Symptomen wie erhöhter Herzfrequenz, schneller Atmung und erhöhter Anspannung reagiert. Bei ständigem emotionalen Missbrauch kann der Körper in einem Zustand der Alarmbereitschaft verharren:

- Erhöhte Cortisolwerte (Stresshormon), die bei längerem Stress das Immunsystem schwächen, die Schlafqualität beeinträchtigen und die allgemeine Gesundheit gefährden.

- Verspannungen in Muskeln, insbesondere im Nacken, Rücken und Kiefer, durch anhaltende Anspannung und Stress.

- Schlafstörungen, da der Körper Schwierigkeiten hat, sich zu entspannen und den Zustand der ständigen Alarmbereitschaft zu verlassen.

2. Angst- und Panikreaktionen

Seelischer Missbrauch führt oft zu ängstlichen Gedanken und Panikattacken, die den Körper intensiv belasten können. Die ständige Angst vor Ablehnung oder weiteren emotionalen Verletzungen kann zu körperlichen Symptomen wie Zittern, Schweißausbrüchen, Schwindel und Herzrasen führen. Auch der Verdauungstrakt ist betroffen, da Angst und Stress den Magen-Darm-Trakt beeinflussen, was zu Problemen wie:

- Übelkeit, Bauchschmerzen und Verdauungsproblemen

- Durchfall oder Verstopfung

- Appetitverlust oder übermäßiges Essen

3. Chronische Müdigkeit und Erschöpfung

Ständiger seelischer Missbrauch kann zu einem Zustand führen, in dem der Körper nie wirklich zur Ruhe kommt. Das kann zu einer chronischen Erschöpfung führen, bei der sich der Betroffene sowohl geistig als auch körperlich ausgelaugt fühlt. Dies kann besonders schwerwiegende Auswirkungen auf die Lebensqualität haben:

- Energieverlust und das Gefühl, ständig „ausgebrannt“ zu sein.

- Schlafstörungen, bei denen der Körper aufgrund des Stresslevels Schwierigkeiten hat, in einen erholsamen Schlaf zu kommen.

4. Immunsystem und erhöhte Krankheitsanfälligkeit

Länger andauernder Stress durch seelischen Missbrauch kann das Immunsystem schwächen. Das ständige Ausgesetztsein an emotionalem Stress verringert die Fähigkeit des Körpers, sich gegen Infektionen zu wehren. Dies kann sich in einer höheren Krankheitsanfälligkeit manifestieren, etwa durch:

- Häufige Erkältungen oder Infektionen

- Langsame Heilung bei Verletzungen

- Chronische Krankheiten wie Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die mit anhaltendem Stress in Verbindung stehen

5. Konditionierte Schmerzen und psychosomatische Beschwerden

Seelischer Missbrauch kann zu psychosomatischen Schmerzen führen – also körperlichen Schmerzen, die ihre Ursache in emotionalen Belastungen haben. Diese Schmerzen treten häufig dann auf, wenn das psychische Trauma nicht verarbeitet werden kann und sich im Körper manifestiert. Typische Symptome sind:

- Kopf- und Rückenschmerzen, besonders im Nacken und in der Schulterregion

- Kiefer- und Gesichtsschmerzen durch Zähneknirschen oder Verspannungen

- Magenschmerzen oder Übelkeit, die durch die kontinuierliche psychische Belastung entstehen

6. Trauma und der Verlust des Körpersinns

Seelischer Missbrauch, insbesondere in langanhaltenden oder wiederholten Fällen, kann dazu führen, dass sich Betroffene entfremdet von ihrem eigenen Körper fühlen. Der Körper wird als „Fremdobjekt“ erlebt, was das Gefühl der Depersonalisation verstärken kann. Sie verlieren den Kontakt zu ihren **körperlichen Bedürfnissen**, wie Hunger, Durst oder Erschöpfung. In solchen Fällen kann es zu:

- Schwierigkeiten beim Wahrnehmen von Körpersignalen kommen, z.B. beim Erkennen von Müdigkeit oder Schmerzen.

- Gefühlen der Entfremdung oder Depersonalisierung, bei denen der Betroffene sich „außerhalb“ seines Körpers erlebt.

7. Hormonelle Ungleichgewichte

Stress und emotionaler Missbrauch können auch hormonelle Ungleichgewichte verursachen. Cortisol (das Stresshormon) kann das Gleichgewicht zwischen anderen Hormonen wie Östrogen und Testosteron stören. Dies kann zu:

- Menstruationsstörungen oder Fruchtbarkeitsproblemen

- Gewichtszunahme oder Gewichtsverlust

- Libidoverlust oder sexuelle Dysfunktion führen

8. Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und deren körperliche Auswirkungen

Langfristiger seelischer Missbrauch kann die Entwicklung einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) begünstigen. PTBS ist gekennzeichnet durch Flashbacks, Albträume und das ständige Wiedererleben des Traumas. Die körperlichen Symptome dieser Störung sind:

- Schwitzen, Zittern und Herzklopfen bei Erinnerung an das Trauma

- Übermäßige Schreckreaktionen, die den Körper in einen Zustand permanenter Alarmbereitschaft versetzen

- Vermeidung von Situationen, die mit dem Trauma in Verbindung stehen, was das tägliche Leben erheblich einschränken kann.

Fazit

Seelischer Missbrauch hinterlässt tiefgreifende Spuren im Körper, auch wenn diese nicht immer auf den ersten Blick sichtbar sind. Die körperlichen Symptome – von chronischer Müdigkeit über psychosomatische Schmerzen bis hin zu hormonellen Störungen – sind direkte Reaktionen auf die psychische Belastung und den Stress, die durch Missbrauch entstehen. Diese körperlichen Symptome sind ein Hinweis darauf, dass der Körper auf die seelischen Verletzungen aufmerksam macht. Daher ist es wichtig, sowohl körperliche als auch psychische Heilungsprozesse zu unterstützen und die Verbindung zum eigenen Körper wiederherzustellen.

Es ist entscheidend, sich der körperlichen Auswirkungen von seelischem Missbrauch bewusst zu werden und sich Unterstützung zu holen, um sowohl den physischen als auch den emotionalen Heilungsprozess zu fördern. Therapeutische Unterstützung, Achtsamkeit und Selbstfürsorge können helfen, den Körper von den Auswirkungen des Missbrauchs zu befreien und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren.

Du willst dich austauschen? Schreib’ mir gerne!

Zurück
Zurück

Trauma & die Abspaltung von unserem authentischen Selbst

Weiter
Weiter

Seelischen Missbrauch erkennen